Der Weg
Immer nah dran – an echten Projekten, echten Menschen und echten Konsequenzen
Nach dem Studium bin ich tief in die Welt der IT-Transformationen eingetaucht. Bei Deloitte und Accenture habe ich große Digitalisierungsprojekte begleitet und Sicherheitsstrategien für ganze Verwaltungen entwickelt. Bei der Deutschen Börse Gruppe habe ich Vorstände zu Informationssicherheit beraten, auf höchstem regulatorischem Niveau. Danach habe ich bei kobaltblau komplexe IT-Sourcing-Prozesse mit verantwortet, von der Ausschreibung bis zum Management ganzer IT-Services für global agierende Unternehmen. Heute ist minzox mein Spielfeld.
Nebenbei ist dabei etwas entstanden, das in keinem Lebenslauf auftaucht: eine ziemlich vollständige Sammlung von Führungsstilen. Da war der, mit dem ich in einem Jahr Zusammenarbeit vielleicht acht Stunden gesprochen habe. Der, der frisch in die Rolle geworfen wurde und wirklich mitfühlend war, dem aber die Klarheit fehlte. Der, der vor allem sich selbst im Zentrum sah. Der, für den ich eine Rolle war, die eine Aufgabe erfüllt. Und der, der lieber die Modulliste auf dem Unizeugnis las, als zu sehen, was jemand wirklich kann. Von jedem habe ich etwas gelernt, meistens etwas anderes, als er mir beibringen wollte.
Und ich habe selbst geführt: Projektteams, verteilte Dienstleister, Situationen, in denen meine Entscheidung das Wochenende anderer Leute bestimmt hat. Ich weiß deshalb aus erster Hand, wie sich der Rollenwechsel anfühlt, wenn der Kalender noch der alte ist und die Verantwortung schon die neue.
Das Muster
Gute Führung sieht überall anders aus und funktioniert überall gleich
Wenn man so viele Stile durchlebt hat, fängt man an, das Gemeinsame zu sehen. Die guten Führungskräfte, die ich hatte, waren untereinander völlig verschieden: laut und leise, nahbar und distanziert. Was sie teilten, war eine Balance, die die Forschung seit Jahrzehnten bestätigt: warm und fordernd zugleich. Sie gaben Sicherheit als Startrampe und trauten einem dann Aufgaben zu, die eine Nummer zu groß wirkten. Und ihre Unterstützung hatte ein eingebautes Verfallsdatum. Sie machten sich Stück für Stück überflüssig, statt sich unentbehrlich zu halten.
Seit ich Vater bin, sehe ich dieselbe Balance jeden Tag zuhause. Ein Kind wächst an wenigen Grenzen, die verlässlich gelten, und an ehrlichem Zutrauen dazwischen. Zu viel Absicherung fühlt sich fürsorglich an und nimmt trotzdem genau die Erfahrungen, aus denen Selbstvertrauen entsteht. Die Parallele hat eine klare Grenze: Mitarbeiter sind Erwachsene, ein Team ist keine Familie. Die Verhaltensmuster dahinter sind trotzdem dieselben. Mein Anspruch seitdem: führen mit der Sorgfalt guter Eltern und der Ehrlichkeit eines Profiteams.
Und noch etwas lernt man beim Elternsein: Geschmack vererbt sich über Leitplanken. Wir geben die Richtung mit und lassen das Kind darin seine eigenen Wege finden. Genau diese Fähigkeit wird im KI-Zeitalter zur Führungsaufgabe. KI hebt alle auf ein ähnliches Niveau und zieht alles in dieselbe plausible Mitte. Was ein Team dann noch unterscheidbar macht, sind Urteil und Geschmack, und beides entsteht über Leitplanken, die eine Führungskraft bewusst setzt und selbst vorlebt.